Rollenspiel goes TV, pt. 3: Seife, Seife überall

Ja, ich bekenne: Ich liebe Seifenopern. Wahrscheinlich spiele ich deswegen auch so gerne Primetime Adventures und ähnliche Spiele, deren Stories larger than life sind, mit einer gehörigen Dosis Drama, Intrige und Liebe.

Wer jetzt denkt, das ist ja auf das Rollenspiel übertragen ganz einfach, der irrt. Es geht mir nicht darum, eine beliebige PtA- oder Fiasko-Runde nachzuspielen, sondern um eine Seifenoper über eine Rollenspielrunde.

Sehen wir uns an, was die Zutaten einer handelsüblichen Soap sind.

Zum einen ist da der Schauplatz der Handlung, oder im Fernsehsprech, das Set. Auf der Seite des Berufslebens gibt es eine hippe Kneipe, in der die Charaktere abhängen sowie eine Firma (Modelabel, Medienagentur, Reisebüro, Blumenladen, Sportcentrum), wo manche der Charaktere ihr Geld verdienen, aber meistens eher rumstehen, Kaffee trinken, intrigieren oder sonstige Dinge tun, die andere Menschen bei der Arbeit eher nicht tun. Für die Rollenspiel-Soap gibt es die Sets „Verlagsbüro“ und / oder „Rollenspielladen“ sowie das Rollenspiel-Café.

Die Protagonisten der Serie gehen natürlich nicht nur arbeiten, sondern müssen ja auch irgendwo schlafen und sich der Leidenschaft hingeben. Dafür brauchen wir mindestens zwei-drei Wohnungen. Eine für eine Familie, eine WG, die mehr Zimmer hat als Schloß Neuschwanstein und eine weitere Wohnung, wo zum Beispiel die junggebliebene Restaurantbesitzerin nebst Gatten wohnt oder die Ex-Matriarchin, die gerne andauernd Leute aufnimmt, die zufällig im Haus auftauchen. Welche Wohnungen genau gebraucht werden, sieht man, wenn die Charaktere fertig sind.

Ich gehe davon aus, dass für eine Rollenspielersoap weder ein Schloß, noch eine Gründerzeitvilla oder ein schickes Penthouse, das so groß wie halb Berlin ist, benötigt werden.

Als nächstes benötigen wir die Charaktere. Es sollten so ungefähr zwanzig Leute sein, je nach Zielgruppe sollten mindestens zwei – vier Protagonisten für die Altersgruppe ab 50 dabei sein, damit sich die älteren Zuschauer(innen) auch noch die Serie angucken. Weil die Rollenspiel-Soap ja nach Möglichkeit auch dieses Publikum ansprechen sollte, gibt es mindestens die besorgte verwitwete Mutter eines Spielers, die coole Omi oder auch die Sekretärin und gute Seele des Verlags, die zwar vom Spielen keine Ahnung hat, aber immer Schnittchen und Kaffee für nächtliche Sessions bereitstellt. Für das halbwegs ausgeglichene Geschlechterverhältnis ist noch ein männliches Love Interest für ein eine der Damen dabei: Ein rüstiger Hausmeister, der sich immer etwas über die „seltsamen jungen Leute“ mokiert, sie aber natürlich fest ins Herz geschlossen hat, der Vermieter der Verlagsräume oder der Kneipe (er darf auch ein wenig fies und ambivalent sein im Gegensatz zu den anderen Charakteren, deren Seiten klar festgelegt sind) oder aber der Büdchen-Besitzer, der als einer der wenigen um des Lokalkolorits willen einen heftigen Dialekt pflegt.

Damit sind alle Rollen abgesteckt, und damit folgt nun die endgültige Aufteilung.

Es treten auf:

Im Verlag
Der Verlagschef. Er ist noch recht jung, etwas nerdig, ständig gestresst, wohnt quasi im Büro, trinkt viel Kaffee und hat immer ein Ohr für seine Belegschaft.

Der stellvertretende Verlagschef. Cousin oder Bruder des Erstgenannten, sehr zielstrebig. Kandidat für Intrigen, denn er will den Verlag an einen amerikanischen Großinvestor verkaufen.

Die Sekretärin / gute Seele / Empfangsdame. Hat, wie bereits erwähnt, keine Ahnung vom Rollenspiel, macht aber himmlische Schnittchen und hat immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Verlagsleute

Die Grafikerin / Illustratorin. Junges, aufstrebendes Talent, scheint mit ihrem Job verheiratet zu sein und merkt nicht, dass sie vom Praktikanten angebetet wird.

Der Praktikant. Noch neu im Job, aber sehr engagiert. Was er genau macht, weiß niemand so genau. Er ist schließlich Praktikant.

Der Texter / Autor / Lektor / Übersetzer. Halt der Typ, der sich mit dem Schriftlichen beschäftigt. Verwandt mit irgendeinem der anderen aus der Rollenspiel-WG.

Der Hausmeister. Onkel des Praktikanten. Hat wie die gute Seele eher weniger mit Rollenspiel zu tun, kümmert sich aber auch um die Belange der Verlagsmitarbeiter. Hat eine Schwäche für die gute Seele und spricht regionalen Dialekt

Der Rollenspielladen

Der Ladenbesitzer. Bester Freund des Verlagschefs, und scheint auch nicht wirklich zu arbeiten. Er trinkt meistens Kaffee oder Tee mit seinen Kunden, redet über Gott und die Welt und hört jedem zu, der ein Problem(chen) hat. Er scheint selber kein Privatleben zu haben, aber wenn doch, dann ist es sehr dramatisch. Seine Freundin ist jedenfalls häufig genervt von ihm, weil der Laden, der Verlag etc. wichtiger sind. Hohes Konfliktpotential!

Der Spielleiter der Ladenrunde. Kennt das System der Runde seit Jahren, und ist auch mindestens genauso lange in eine der beiden Frauen am Spieltisch verliebt. In den ersten 100 Folgen kriegen sich die beiden natürlich nach Irrungen und Wirrungen.

Die Runde: Besteht aus vier Spielern/innen. Eine der Spielerinnen ist das Love Interest des SL. Einer der Spieler möchte gerne SL werden und nervt die anderen. Ein anderer Spieler ist mit dem SL oder dem Ladenbesitzer verwandt. Einer betreibt das Spiel nur, um Informationen über die anderen zu bekommen oder weil er auch in eine der Damen verliebt ist. Natürlich gibt es ganz ausgewogen zwei Spielerinnen in der Gruppe. Die eine ist das Love Interest des SL, und die andere seit Jahren mit dem Ladenbesitzer liiert. Natürlich wird diese Beziehung sehr schnell auf die Probe gestellt, denn glückliche Paare sind im Sinne der Seifenoper nun mal sehr langweilig, da sie kein Konflliktpotential bieten.

Die Stammkunden. Sind derer zwei, vielleicht Freunde, aber auf jeden Fall kennen sie sich, und einer von ihnen ist großer Fan von storylastigen Spielen mit Player Empowerment, der andere liebt das taktische Spiel mit GURPS oder Savage Worlds. Beide haben natürlich ein (nie gezeigtes) Leben außerhalb des Rollenspielladens und klagen ihre Sorgen gerne dem Ladenbesitzer. Einer von beiden wohnt auf jeden Fall in der Rollenspiel-WG

Der Typ an der Theke. Er macht Kaffee und Schnittchen im Rollenspiel-Laden und steht auf Männer, heimlich oder offen, aber jedenfalls ist das immer ein Problem, wenn er sich wieder Typen aussucht, die definitiv nicht auf ihn stehen.

Die Rollenspiel-WG

Der SW-Stammkunde. Ihm gehört die Wohnung, und er wohnt dort seit der ersten Folge

Die Tussi. Hat mit Rollenspiel nichts am Hut, wohnt aber dort in der WG, weil es billig ist und sie mit mindestens einem der anderen Bewohner verwandt ist.

Einer der Spieler aus der Ladenrunde

Der Typ an der Theke

Der Proll, der eigentlich auch nichts mit Rollenspiel am Hut hat, aber gerne einer Rollenspielerin aus der WG näherkommen will. Eventuell auch Love Interest des Typen an der Theke.

Der Arzt. Muss überhaupt nichts mit Rollenspiel zu tun haben, aber dem Gesetz der Seifenoper nach vorkommen und kann alles behandeln von der Schnittwunde über das Baby zur Welt bringen bis hin zur komplizierten OP am offenen Herzen.

Gleiches gilt für den Polizisten. Er ermittelt bei Fahrraddiebstahl und Dreifach-Mord, ist vielleicht auch Rollenspieler, muss aber definitiv vorkommen. Kann aber auch eine Nebenrolle sein, die immer dann auftaucht, wenn ein Würfel geklaut wurde oder jemand mit sämtlichen DSA-Regelwerken erschlagen wurde.

Die Rollenspiel-Autorin. Eigentlich mit dem SW-Typen (oder jemand anderem verbandelt), aber zwischen ihr und dem Proll knistert es.

Das sollte als Cast erstmal reichen, wichtig ist, dass das Rollenspiel das verbindende Element ist und bleibt (anderswo ist es ein Sportzentrum, oder eine Zeitungsredaktion oder auch ein Modelabel). Die Charaktere stolpern durch Irrungen und Wirrungen, aber am Ende des Tages treffen sie sich alle für eine Runde Rollenspiel in der WG oder im Laden.

Das wars von der Seifenopern-Front, irgendwann demnächst in diesem Kino: Rollenspiel goes TV, Teil 4: Die Sitcom.

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Ein Kommentar

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